Nach unserer letztjährigen Premiere in Davos war schnell klar, dass auch der nächste Berglauf in der Schweiz das Ziel sein sollte. Gesagt, getan! Da kam die Info von Iris zum diesjährigen Jubiläumslauf in Zermatt wie gerufen. Noch voller Adrenalin und mit sagenhafter Euphorie waren die Anmeldungen über Nacht schon im System! Es standen ja schließlich nur 500 Startplätze für den Ultramarathon zur Verfügung, warum sollten wir da lang fackeln. Die Vorbereitungen verflogen wie im Flug und die Zeit dazwischen wurde mit einigen gemeinsamen Laufabenteuern gefüllt. Planung, Hotelreservierung und das Design zum T-Shirt sind einige imposante Beispiele, die die Klasse unseres Teams deutlich machen. Ein besonderer Dank gilt unseren Gönnern, Freunde und Sponsoren, die mit ihrem Beitrag unseren Teamerfolg auch über die Landesgrenzen hinweg ermöglichen.
Letzten Donnerstag war es dann soweit und die ersten Starter waren auf der Autobahn in Richtung Zermatt unterwegs. Bereits die Fahrt entpuppte sich als ein Feuerwerk der guten Laune und der Vorfreude auf den bevorstehenden Berglauf. Die rund neun Stunden Fahrt boten genug Raum für eine gemeinsame Rennstrategie, neuen Errungenschaften rund um den Laufsport oder einfach nur eine herrliche Spinnerei. Eines der Grundlagen für ein neues Milliardengeschäft rund um den geheimnisvollen Präzisionssand aus dem bekannten Mattsand, das sich als wirklicher Geheimtipp für asiatische Investoren in Zermatt erweisen sollte. Wirklich ein Stoff aus dem .. gut das würde jetzt wirklich zu weit führen.
Der Freitag stand ganz unter dem Zeichen der Ortserkundung. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es mit der Gornergratbahn zum Berghotel Gornergrat auf rund 3.100 m über dem Meeresspiegel. Die Sonnen scheint und um uns herum gesellen sich rund 20 Viertausender dieser Gegend und eröf
fnen ein unglaubliches Panorama. Wenn auch das Hörnli sich nicht wirklich zeigt und ganz scheu hinter den Wolken bleibt, ist die Präsenz des Matterhorns wirklich spürbar. Für viele von uns ist dieser Ort der Zielbereich für den Ultramarathon und im ersten Moment ist die dünne Luft echt gewöhnungsbedürftig. Nach einer guten Pause und einem guten Kaffee geht es zum Zielbereich der Marathonis auf den Riffelberg. Dort angekommen testen wir das Siegerpodest und können unsere 7 Hills Runners Fahne hinter dem Ziel aufhängen. So gut vorbereitet geht es zur mentalen Vorbereitung auf den großen Tag.
Das lange Warten hat ein Ende! Um 6:59 geht es mit dem Zug von Zermatt nach St. Nikolaus und im vollgepackten Zug herrscht schon an diesem frühen Morgen eine prächtige Stimmung. Läuferinnen und Läufer aus vielen Ländern wollen an diesem Jubiläumslauf teilnehmen. Letzte Infos werden ausgetauscht und als „Erstläufer“ hört man gerne den Zermatt-erfahrenden Läufern aufmerksam zu. Wenn sich auch der ein oder andere Tipp später als komplett falsch heraus stellen wird. Von St. Nikolaus starten Hanja und Freddy als Marathonstaffel sowie Sandra, Jan und ich für den Ultra. Punkt 8:25 Uhr werden die Ultraläufer losgelassen und rund 20 min später gehen die Staffelläufer an den Start. Anschließend die Marathonläufer und dort war aus unserem Team Iris am Start. Dieser Lauf sollte in vielen Belangen anders werden. Ich war sehr froh, dass Jan mit mir gemeinsam den langen Weg laufen wollte und ohne es vorweg zu nehmen, wir hatten auf dem gesamten Weg viel Spaß. Von St. Nikolaus geht es parallel zur Eisenbahnlinie nach Zermatt über Mattsand, Ronda und anschließend Täsch. Das Streckenprofil auf dem Rennprospekt war deutlich flacher und gefühlt ging es bereits auf dem ersten Stück richtig rauf und runter. Der Blick auf den Höhenmesser lies schnell erahnen, dass es vor Zermatt nochmal richtig rauf gehen musste. Die Wechselzone in Zermatt war gleichzeitig die Hälfte der Marathonstrecke. Am Bahnhof haben wir Dietmar und Oliver – beide die Staffelläufer für die zweite Hälte – noch viel Glück gewünscht und sind mit diesem guten Gefühl in die zweite Hälfte gestartet. Uns war klar, dass jetzt der anspruchsvolle Teil der Strecke begonnen hatte. In Zermatt wurden wir von den Menschen angefeuert und mit diesem frischen Wind ging es über eine kurze Schleife durch Zermatt hinaus zur Riffelalp. Jeder Versorgungsstand unterwegs war ein Willkommensfest unter Freunden und die Helfer haben uns wirklich mit einer solchen Gastfreundlichkeit empfangen, dass wir am liebsten da geblieben wären. Gereicht wurden neben Getränken, Bananen und Gemüsebrühe auch Gels von Powerbar in verschiedenen Geschmackssorten. Wir sollten erst zum Ende des Rennens sehen, wieviele davon in einen Laufrucksack passen
Gut gestärkt
und angetrieben von rhythmischer Blasmusik erwartete uns nach der Riffelalp die erste große Anstieg-Überraschung. Eine scheinbar nicht endende Wand stand vor uns und schlängelte sich in großen Schwüngen nach oben. Selbst laufsichere Kenianer kommentierten diesen Anstieg mit lauten „Nein-Rufen“. Nach dieser Wand wurde die Sicht auf die rund 3 km lange Rampe zum Riffelberg sichtbar und uns war klar, jetzt haben wir gleich die 42 km geschafft. Oben auf dem Riffelberg warteten schon Hanja und Freddy mit unserer Schweiz-Fahne. Die Freude war riesen groß und wir waren sehr glücklich die beiden dort zu sehen. Unser Entschluss war jetzt klar, dass wir die letzten Kilometer des Ultras gemeinsam mit Sandra bewältigen wollten und nach kurzer Wartezeit sind wir dann zu dritt aufgebrochen um den Ultra zu finishen. Die letzten 3,5 km waren nicht ohne und der Gornergrat hat wirklich alles gegeben uns den Aufstieg nicht leicht zu machen. Auch kurze Hagelschauer konnten uns nicht mehr aufhalten. Über die Brücke hoch zum Hotel und Arm in Arm sind wir zu dritt nach 7 Stunden und 13 Minuten über die Ziellinie gelaufen. „ Und da kommt ein Trio mit Sandra Kramer, Jan Kratz und Uli Irnich…“ kommentiert der Stadionsprecher unseren Zieleinlauf. Ein unglaubliches Gefühl und ein besonderer Dank an Sandra und Jan für diesen tollen Lauf ! Es war ein echtes Erlebnis das ich nie vergessen werde. Danke